Heute weiß ich, dass unsere kleine Familie es schaffen wird
Mein Name ist Sara, gute 4 Monate durfte ich mit meinem Sohn Finn im Haus Atemzeit verbringen. Für mich wurde dieser Lebensabschnitt zu einem sehr besonderen. Um zu verstehen, in welcher Weise dies so besonders war, muss ich etwas mehr von mir erzählen.
Meine Mutter ist verstorben, als ich noch ein kleines Mädchen war, bei keinem meiner Familienmitglieder konnte ich bleiben. Ich lebte mit anderen Kindern in Pflegefamilien. Irgendwann konnte ich nicht mehr, ich hielt es nicht mehr aus und landete mit meinen wenigen Habseligkeiten auf der Straße. Zunächst kam ich bei Freunden unter und konnte auch eine Ausbildung abschließen. Leider blieb das Glück nicht auf meiner Seite und so stand ich irgendwann wieder auf der Straße.
Rückblickend war das vielleicht aber doch mein Glück: Ich lernte meinen heutigen Lebensgefährten kennen und wurde mit unserem Sohn Finn schwanger. Anfangs war während meiner Schwangerschaft alles in Ordnung, bis zu jenem Morgen in der 26. Schwangerschaftswoche. Bei einer normalen Vorsorge-Untersuchung teilte mir mein Frauenarzt mit, Finn sei nicht mehr ausreichend versorgt und ich müsse sofort in die Klinik. Noch am gleichen Tag wurde Finn per Notsectio entbunden.
Ankommen im Haus Atemzeit
Nach fast fünf Monaten und vielen Höhen und Tiefen auf der Intensivstation wurden wir ins Haus Atemzeit verlegt. Zunächst war ich sehr skeptisch, auch hatte ich große Angst vor der Medizintechnik. Als ich im Haus Atemzeit ankam, war ich jedoch sehr erleichtert, kontinuierlich bei meinem Kind sein zu können, und war überrascht, wie wohnlich und wie wenig mich der Aufenthalt trotz der vielen Medizintechnik an einen Klinikaufenthalt erinnerte. Ich habe mich sofort wohl gefühlt.
Aufgrund meiner Erfahrungen in der Kindheit und der traumatischen Geburt habe ich mich sehr schwer getan, in die Mutterrolle hineinzufinden. Die Mitarbeiter vor Ort haben mir diesen Raum gegeben und mich dabei unterstützt, meinen ganz eigenen Weg zu finden. Mit viel Geduld und Training entwickelte sich Finns Zustand positiv. Durch den engen Kontakt zu meinem Sohn bin ich ganz und gar in meiner Rolle als Mama angekommen.
Ein neuer Schritt als Familie
Heute weiß ich, dass unsere kleine Familie es schaffen wird. Mein Lebenspartner und ich sind gemeinsam gut in unserer Rolle als Eltern angekommen, wir haben viel gelernt und können das Gelernte auch selbstständig umsetzen. Über die vier Monate im Haus Atemzeit sind wir als Familie sehr dankbar.
Wir haben im Haus Atemzeit meinen Geburtstag gefeiert und das erste Weihnachten dort zu dritt erleben dürfen. Für mich war immer jemand da, und ich durfte erleben, dass ich so angenommen wurde, wie ich bin. Die Mitarbeiter sind mir sehr ans Herz gewachsen.


