Zwei Stunden zu Besuch im Haus Atemzeit
Eine Abordnung der katholischen Kirchengemeinde St. Andreas aus Altenstadt hat die Spende aus dem Fronleichnamsgottesdienst am 7. Juli 2026 an das Haus Atemzeit in Wölfersheim übergeben – verbunden mit einem zweistündigen Besuch im Haus.
„Darf ich dich etwas fragen?“ fragt Anna Hartmann das 13-jährige Mädchen, das auf seinem Bett sitzt. Aufrecht, die Beine angewinkelt. Am Bettende liegen viele dicke bunte Filzstifte. Der linke Unterarm ist mit Henna-Ornamenten verziert, die Fingernägel hat eine der „Kuschelomas“ in der Lieblingsfarbe Pink aufgehübscht. Ein richtiges Schulmädchen im Ferienmodus. Und doch steht neben dem Bett eine Art Lastenkarre aus Metall mit einer Sauerstoffflasche, auf dem Nachttisch ein kleiner Monitor, im Hals ein Schlauch, der das Atmen ermöglicht.
„Tut dir das eigentlich weh? Ist das unangenehm?“ fragt Hartmann, die im Gemeindeausschuss St. Andreas und im Pfarreirat St. Christophorus vor dem Vogelsberg mitarbeitet und hauptberuflich Klinikseelsorgerin in Hanau ist.
„Überhaupt nicht. Ich merke das gar nicht. Auch wenn die Pflegerin in der Nacht kommt, merke ich nichts davon."
Fidi – so ihr Spitzname – kommt immer wieder ins Haus Atemzeit, um Kraft zu tanken oder damit ihre Eltern einmal in Urlaub fahren können. „Meine Mama fliegt jetzt bald nach Marokko“, erzählt sie. „Hier ist es toll. Wenn die Kuschelomas kommen. Wenn Anne mit mir spielt. Wir haben auch einen Gute-Laune-Plan. Da kann ich immer sehen, wann wieder eine Kuscheloma kommt.“ Die Kuschelomas sind Ehrenamtliche im Haus Atemzeit.
Wenn die Augen sprechen
Das Haus Atemzeit hat sechs Plätze für Kinder und ihre Begleitpersonen, die zum Beispiel dauerhaft beatmet werden müssen. Einer von ihnen ist Yusuf. „Wie funktioniert die Kommunikation?“ möchte Anna Hartmann wissen.
„Die Kommunikation funktioniert sehr deutlich über die Augen. Früher hatte er sogar einen Sprachcomputer, doch den kann er leider nicht mehr benutzen, weil er eine Epilepsie entwickelt hat. Doch seine Augensprache ist sehr deutlich: Bei einem Nein dreht er seine Augen weg. Wenn er etwas möchte, fixiert er bestimmte Punkte“, erklärt Elzbieta Gette, Leitung und stellvertretende Pflegedienstleitung.
Ganz selbstverständlich fragt sie Yusuf: „Ich muss dich absaugen – ist das okay für dich?“ Yusuf ist ein Kind, das nicht viel Trubel um sich herum braucht. Als er die Augen abwendet, verlässt die Abordnung sein Zimmer wieder. Hier war eine Grenze für ihn erreicht.
Kollekte, Mittagsimbiss und Pfarrgarten-Kirschen
Gemeinsam mit dem leitenden Pfarrer Karl Heinrich Stein von der Pfarrei St. Christophorus vor dem Vogelsberg übergab Anna Hartmann eine Spende von 1.622 Euro an den Trägerverein Haus Atemzeit e. V. „Die Spende kam durch die Kollekte am Fronleichnamsgottesdienst, den anschließenden Mittagsimbiss und aus dem Verkauf der Pfarrgarten-Kirschen zusammen“, erklärte der Pfarrer.
Im Gemeindeausschuss St. Andreas war beschlossen worden, dass der Erlös des Mittagsimbisses der Einrichtung für schwerstkranke Kinder in Wölfersheim zugutekommen sollte – schließlich liegt sie im Pfarrgebiet und finanziert sich zum größten Teil aus Spendengeldern.
Nach der Führung durch die Einrichtung und vielen Fragen übergab Pfarrer Stein das kleine Schatzkästchen mit dem kostbaren Inhalt. Sehr freudig und dankbar nahmen die Ehrenamtskoordinatorin Nicol Nikolaus und die Hausleitung die Spende entgegen.
Warum Begegnung zählt
Elzbieta Gette dankte zum Abschluss nicht nur für die Spende, sondern auch für das Interesse und das Kommen.
„Es ist immer besser, ein Haus zu sehen, Kinder und Eltern zu erleben und die Atmosphäre im Haus wahrzunehmen."
Denn Vernetzung ist ein wichtiger Bestandteil dieses lebenswerten und lebensbejahenden Vereins. Ein großer Dank gilt allen Gottesdienstteilnehmenden aus den Gemeinden St. Andreas in Altenstadt, St. Bonifatius in Büdingen und aus den anderen Gemeinden der Pfarrei St. Christophorus, die an Fronleichnam solch eine große Spende ermöglicht haben – um den Kindern und Eltern Zeit zum Atmen zu schenken.


